Ein kleiner Nachruf ans Vivitar

Ich habe das Objektiv auf dem Flohmarkt gekauft. Es war günstig. Nein – billig! Ich habe es dort in einer Kiste liegen sehen und habe mich spontan entschieden, es einfach mitzunehmen. Die ersten Bilder sahen ziemlich gewöhnungsbedürftig aus. Die Bildränder waren fürchterlich zerfleddert und das Bokeh erzeugte eine unterschwellige Übelkeit in mir. Trotzdem habe ich mich nicht unterkriegen lassen und das Teil einfach mit mir rumgeschleppt. 28mm sind schon ziemlich lässig bei einem vollformatigen Sensor. Zumindest sieht man auf den Bildern eine Menge.

Juelsminde Hafen

Grün und Steine

Spiegelbirken

horrorschaukel

Ab Blende 8 war das Objektiv leider gar nicht mehr zu gebrauchen. Es schien, als würde die Kamera nicht mit dem Objektiv klarkommen. Die Farbsäume sind zuweilen schrecklich.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich das Series 1 in der Zwischenzeit zu schätzen gelernt. Das schwere Teil aus Metall mit der rauhen Oberfläche will nur gezielt eingesetzt werden. Dann kann man mit den Verzeichnungen angeben und bei Präsentationen so tun, als wären die Effekte Ergebnis harter Arbeit oder besonderer Skills. Meistens war aber nur das Licht richtig gut. Den Rest hat Lightroom erledigt.

Sunset

Leider ist es vor ein paar Tagen in die Hände meines Sohnes geraten. Dieser Kontakt kam dem Todesurteil für das Objektiv ziemlich nahe: für einen kurzen Augenblick fand er es sehr interessant. Eine Sekunde später aber ging es den Gang aller Gegenstände, die er mit seinen kleinen Fingern zu fassen bekommt – es fiel Richtung Boden. Und seitdem ist es nicht mehr das, was es vorher war. Jetzt wackelt irgendwas innen herum, der Korpus ist gestaucht und die Bilder sehen noch verzerrter aus.

Easyeselauge

Granewald

Herzkuchen

Aber hey, jetzt mal ehrlich: was dürfen einem Erwachsenen schon weltliche Dinge bedeuten, wenn ein kleines Kind die Welt entdeckt und dabei mal was zu Bruch geht?

Tastesgood