Trentino-Tagebuch, Tag 5

Sonntag.

Für den Menschen der Tag in der Woche, sich zu erholen, etwas mit der Familie zu unternehmen oder einfach auszuschlafen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen.

Für uns Tag fünf des Bike-Festivals am Gardasee. Für mich der Höhepunkt des Trips, gilt es doch, den Marathon auf der Ronda Piccola zu bewältigen.

Nachdem wir uns nach kurzer Nacht aus den Betten gequält hatten, galt es, aufgrund des gestraffen Zeitplans, umgehend das Team-Mobil zu beladen und sich auf den Weg an den Gardasee zu machen. Als wir bei der gestrigen Besprechung vorsichtig nachgefragt haben, wann denn überhaupt Start wäre, haben wir neben entgeisterten Blicken folgende Aussage erhalten:“Der Startschuß fällt um 7.30 Uhr. Und es wäre schön, wenn zu dem Zeitpunkt auch alle Fahrer bereit wären.“

Wir haben uns schon ausgemalt, wie wir in bester Flughafen-Manier zum Start gebeten werden. sich tausende von erzürnten Augen auf uns richten und wir uns mit gesenktem Haupt in die Startaufstellung begeben. Diese Peinlichkeit wollten wir gerne umgehen. So haben wir uns ein paar Minuten in der Innenstadt von Riva umgesehen und sind ziellos umher geradelt. Der Fachausdruck dessen ist „Warmfahren“. Aber warm war es sowieso schon.

Gardasee

Pünktlich haben wir uns dann in unsere jeweiligen Startblöcke begeben (Carsten ist in Block C gestartet, ich in Block F- ganz hinten…) und auf den Startschuß gewartet. Vor allem aber haben wir auf die Marathon-Hymne „Highway to hell“ von AC/DC gewartet. Anstatt diese zu vernehmen und gleich tachyarrythmisch vor Aufregung zu werden, durften wir den wirren Worten eines Herrn Tippie lauschen. Der Herr ist seines Zeichens Frorider und für allerlei Verhaltensoriginalitäten bekannt. Gerade zurück auf der internationalen Bühne des Bergradsports hat er auf mich nicht unbedingt den Eindruck hinterlassen, als wenn seine Entziehungstherapie von durchschlagendem Erfolg gekrönt gewesen wäre. Ist ja aber auch völlig egal- wir warten auf den Song!

… der aber nicht kommt. Dafür aber das Startsignal für die Fahrer des ersten Startblocks. Der besteht vor allem aus Berufsradfahrern und Leuten, die nicht im Traum daran denken würden, am Vorabend eines Rennens Bier zu trinken oder Bratkartoffeln zu schnabulieren.

Start Marathon Gardasee

Den Ernährungs- und Trainingsgewohnheiten entsprechend, durfte ich unter den belustigten Blicken der Gendarmen auch irgendwann starten.

Polizisten in Riva

Pyga OneTen29 Racing

Lars hatte mich vor der Abfahrt darüber informiert, dass Mountainbiken in den Alpen dezente Unterschiede zu unserer Heimatregion hat. Hier sind 500 Höhenmeter schon viel. In den Alpen könne ich mich darauf einstellen, stundenlang ohne Unterbrechung mit der kleinsten Übersetzung über immer fiesere Rampen fahren zu müssen. Recht hatte er- wenngleich ich mich gewundert habe, dass ich sie zum Großteil erklimmen konnte.

Pyga OneTen29 Racing

Pyga OneTen29 Racing

Wenn man sich aber über die große Zahl der Forstautobahnen im Harz beschwert, dann muss man sich beim Marathon am Gardasee was anderes einfallen lassen. Um die riesige Menge der Fahrer sicher über die Strecke zu bringen, verlief sie zu einem Großteil über asphaltierte Straßen.

Marathon Gardasee

Pyga OneTen29 Racing

Der Verlauf der Strecke war trotzdem unterhaltsam und für mich Mittelgebirgs-Bewohner ein Erlebnis. Immer wieder mußte ich meinen Blick über schneebedeckte Alpengipfel, Weinstöcke und über Wiesen voller blühender Pflanzen schweifen lassen.

Pyga OneTen29 Racing

… wenn ich nicht gerade aufpassen mußte, weil es doch mal bergab ging.

Pyga OneTen29 Racing

Das schöne an so einer Veranstaltung ist, dass man noch was vom angebrochenen Tag hat. Gegen 11.00 Uhr war ich im Ziel. Zwar etwas später als die Sieger der Mitteldistanz, aber mit 3:02:15 Stunden in einer recht akzeptablen Zeit und nicht völlig ausgepowert. Lustigerweise habe ich Carsten gar nicht vor mir herfahren sehen und ihn erst wahrgenommen, als er mich gerufen hat. Ich frage mich immernoch, wie ich das Cotic-Logo auf so kurzer Distanz übersehen konnte.

Pyga OneTen29 Racing

Immerhin habe ich die Verpflegungsstation nicht auch übersehen. So konnten wir uns erstmal an dem erstklassigen „echten“ Sportlerbuffet stärken, bevor wir Malte an unserem Stand aufgesucht haben, an dem er die ersten Stunden des Tages ausgeharrt hat.

Eaven Cycles Racing

Der Tag hat früh begonnen und mir zahlreiche, womöglich einmalige, Augenblicke bereitet und endete wie die vorherigen Abende auch. Mit einem Prosit auf´s Leben und einer gesunden Mahlzeit.

Italian Food

Die Pizza haben wir uns direkt am Ledrosee geholt. Es hat mal wieder aus Kübeln geschüttet, was uns aber nicht mehr gewundert hat. Das ist in Italien wohl so.

Ledrosee

Am Vorabend der Abreise sind unsere Gedanken wohl alle beim gleichen Thema gewesen: dem Zuhause. Die Heimfahrt war zwar lang aber wir sind problemlos durchgekommen. Italien hat uns mit Nebel und Regen verabschiedet.

Gardasee

In Österreich war das Wetter recht ähnlich, aber es hat immerhin nicht geregnet. Dafür waren die Berge höher.

Brenner-Autobahn

Alpen

Auf der Autobahn galt es, einige kniffelige Situationen zu meistern.

Brenner-Autobahn

Desto näher wir den heimatlichen Gefilden kamen, desto größer wurde die Ausgelassenheit.

Eaven Cycles Racing

Meine Berichterstattung ist jetzt beendet. Ich hoffe sehr, dass sie Euch gefallen hat. An dieser Stelle möchte ich mich einmal reihum bedanken- bei Carsten und Malte dafür, dass ihr mich ertragen und mir diesen Trip ermöglicht habt. Bei Franka und Felix dafür, dass ihr mir in den Wochen davor immer den Rücken gestärkt und mir viel Freiraum geschaffen habt, um Radfahren zu können und mich vorzubereiten. Und bei meinem Chef möchte ich mich auch bedanken. Denn selbstverständlich ist es nicht, eine Woche frei zu bekommen, ohne dafür einen einzigen Urlaubstag zu verbraten.

1000 Dank an Euch alle!

 

 

 

Bildnachweis:

Fotos #1,2,5-11 © sportograf.com

Fotos #3,4 und 12 © Malte Viergutz

 

(5) Kommentare

  1. Ich bin´s schon wieder. Leider weiß ich nicht, wie ich einen Kommentar bearbeiten kann- deswegen schreibe ich einen zweiten. Wollte dir nur noch mitteilen, dass mir die Auswahl der Bilder sehr gut gefällt!

  2. Ich bin erstmal über die neue/ andere Navigation gestolpert und habe schon befürchtet, dass die Berichte gelöscht worden sind. Zum Glück ist das nicht passiert! Ich finde sie super.

    Keep the rubber side down. Weitermachen!

  3. Wieder großartig. Vielen Dank für die Berichte. Ich hatte super viel Spaß beim Lesen. Scheint ne lustige Reise gewesen zu sein.
    Darauf ein Heineken. Oder zwei. Oder…

  4. Mittlerweile habe ich die elendig lange Rückfahrt vergessen. So bleiben die schönen Erinnerungen. Ein neues Team Trikot brauchen wir noch für dich, geht ja gar nicht das du für das business-like-hockey-stick-Team fährst :-)

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