Easy Tiger… It´s a Pyga!

An dieser Stelle möchte ich euch mein Pyga OneTen29 ein wenig näher vorstellen.

Die Firmengeschichte von Pyga Industries ist noch relativ jung. Hinter Pyga Industries verstecken sich Patrick Morewood und Mark Hopkins.

Der ehemalige südafrikanische Downhill-Rennfahrer Patrick Morewood hat es geschafft, einer kleinen Schmiede einen großen Namen zu verpassen und sie auf dem umkämpften Markt zu etablieren. Vor einiger Zeit hat er Morewood Cycles den Rücken gekehrt und sich mit Mark Hopkins Pyga Industries gewidmet. Mark Hopkins ist Mitbegründer von Leatt und Inhaber von Inhaber von cSixx.

Nach mehrjähriger Entwicklungszeit sind die ersten Modelle Anfang 2013 an die Kunden ausgeliefert worden.

Im Gegensatz zu vielen Herstellern, die auf Leichtbau setzen und Rahmen aus Carbon verbauen, sind die beiden aktuell verfügbaren Pyga-Rahmen für möglichst großen Fahrspaß auf  Trails ausgelegt und wiegen ca. 3000g. Damit sind sie keine Leichtgewichte, sollen aber stabil und wartungsarm sein. Die Detaillösungen fallen dem interessierten Radfahrer schnell in die Augen. Da wären zum Beispiel der schwimmend gelagerte Dämpfer, die X12-Steckachse und andere Kleinigkeiten wie der durch die Kettenstrebe verlegte Zug des Schaltwerkes.

Pyga OneTen29

Von Pyga gibt es aktuell drei Modelle. Zwei Fullys mit 650B-Laufrädern (eins mit 120, das andere mit 140mm Federweg) und das OneTen29 – „mein“ Rad.

„The Oneten is designed to inspire confidence in any rider with its relaxed feel and ease of acceleration and therefor climbing ability. It is our flagship 29er trail bike, at home in an XC stage race or just having a blast on steep aggressive trails.“ 

Das OneTen29 wurde in diesem Jahr unter anderem schon von der „WOMB“ getestet. Ein Redakteur der  Zeitschrift „Bike“ hat das Rad auf dem Festival in Willingen gesichtet, kurz vorgestellt und ist dann damit kurz Probe gefahren. Einen kleinen Bericht darüber kann man in der Bike 8/13 nachlesen.

Ich fahre mit dem Rad nun seit acht Monaten regelmäßig durch die Gegend. Unter anderem bin ich damit bei den Bike-Marathons in Willingen und Riva gestartet und habe es auf unzähligen Touren durch den Harz bewegt.

Die Investition in einem vollgefederten Rahmen ist zu einem Grossteil der Werbung des Importeurs geschuldet. Denn eigentlich hatte ich nicht vor, in ein vollgefedertes Rad aus Aluminium mit grossen Reifen zu investieren. Meine Zukunft sah ich eher in Rahmen aus Stahl oder – man wird ja noch träumen dürfen – Titan. Aber Alu? Nee. Hatte ich schon. Und bislang habe ich alle Fullies immer recht zeitnah abgestossen.

Das mag zum Teil auch meiner Physiognomie geschuldet sein. Denn bei 197cm Körperlänge habe ich überproportional lange Beine und einen relativ kurzen Oberkörper. Daher habe ich mich auf vielen Rädern nicht gänzlich wohl gefühlt. Entweder war das Oberrohr zu lang oder das Sattelrohr zu kurz. Selbstverständlich habe ich störende Faktoren durch Veränderungen zu kompensieren versucht. Letztlich bin ich aber immer wieder beim Hardtail aus Stahl gelandet.

29″-Laufräder waren ein Geschenk für mich. Die etwas geringere Wendigkeit aufgrund des längeren Radstandes und vergleichsweise verwindungsfreudige Laufräder stören mich dank meines tourenorientierten Fahrstils nicht. Neben den hinlänglich propagandierten Vorteilen der grossen Laufräder kam für mich dazu, dass ich endlich Räder aufbauen konnte, die einigermassen homogen und nicht so stelzig wie Baukräne aussehen. Nachdem ich mich in den letzten Jahren mehr und mehr zu grossen Laufrädern hingezogen fühlte, kam mir das Angebot verständlicherweise doch ganz gelegen. Ich war mir relativ sicher, dass das Rad gut zu mir passen würde. Die ersten Geometriedaten bestätigten meine Annahme und die ersten Bilder liessen meine Mundwinkel in Richtung Ohren wandern… Acid-Green.

Pyga OneTen29

Nach kurzer Überlegungszeit und Vergleichen der Geometriedaten habe mich für einen Rahmen in Large entschieden.

Der Aufbau sollte dem Einsatzzweck angemessen sein. In der Vergangenheit habe ich mich immer wieder zu Rädern mit viel Federweg und grossen Bremsscheiben hingezogen gefühlt. Dumm nur, dass ich das Potential der Räder nie ausreizen konnte. Von den vergangenen Fehlentscheidungen wollte ich lernen und sie nach Möglichkeit nicht wiederholen. Die Eckdaten wurden vorrangig durch´s vorhandene Budget vorgegeben. Von „Abstrichen“ will ich aber nicht schreiben, denn das Rad ist zum Grossteil mit hochwertigen Komponenten ausgestattet. Das Geld steckt vor allem in der Bremsanlage und dem Laufradsatz. Bei der Schaltgruppe habe ich mich für eine SRAM X9 entschieden. Hätte ich noch ein wenig gewartet, so hätte ich mich auch zu einer der ganz modernen 11fach-Gruppen hinreissen lassen können. Aber erstens hätte ich dann einen anderen Laufradsatz aufbauen müssen und zweitens muss man ja auch nicht immer dem allerneusten Trend folgen.

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Das Rad wird von RockShox-Elementen gefedert. Die Teile sind funktionieren ziemlich unauffällig – so, wie man sich das vorstellt. Ich mußte nicht ewig mit der Dämpferpumpe hantieren, um den passenden Laufdruck zu finden. In mehreren Artikeln bzw. Threads in Foren habe ich schon gelesen, dass der Hinterbau nicht befriedigend sensibel ist. Das habe ich auch aufgefallen. Allerdings ist der einzig mir bekannte und immer gleich sensible Hinterbau eines Fahrrades ja der ungefederte, also habe ich überlegt, wie ich das Problem in den Griff bekommen könnte: Die erste Möglichkeit zur Problembeseitigung wäre an dieser Stelle, den Dämpfer weiter tunen zu lassen. So eine Maßnahme kostet nicht nur Geld; sie dauert auch ein paar Tage. Und an den Tagen kann ich das Rad dann nicht fahren. Die andere wäre, ihn mit weniger Sag zu fahren. Aktuell fahre ich ihn mit knapp 40% und mit dem Setup funktioniert er, ohne durchzuschlagen, total gut.

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Die Basis eines Fahrrades stellt immer der Rahmen dar. Wenn der zu gross oder zu klein ist oder irgendwas anderes nicht passt, dann macht das Fahren mit dem Rad meist nur wenig Spass. Beim ersten Kontakt mit dem Rahmen fiel mir auf, dass er sehr ordentlich verarbeitet ist – die Lager wirken langlebig und ausreichend dimensioniert (und sind es auch), der Lack leuchtet toll und die Schweißnähte sind sehr sauber gezogen. Aufgrund der recht überschaubaren Produktionsmengen wird er in Taiwan von Hand zusammengeschweißt. Vermutlich ist ein schweißender Taiwanese auch deutlich günstiger als ein eigens dafür anzuschaffender Roboter. Ich weiß es nicht. Diese Gedanken sind ohnehin überflüssig. Mir bleibt letztlich nur übrig, die Rahmen mit anderen, die ich wirklich besessen habe, zu vergleichen. Und da muss sich das OneTen nicht verstecken. Ich habe den Rahmen nicht lange neben dem Sofa stehen gehabt und wiederholt mit der Lupe auf eventuelle Mikrolufteinschlüsse oder ähnliches kontrolliert. Er ist schnell aufgebaut worden, denn ich war sehr gespannt, ob die Investition ein Reinfall (s. oben) würde oder nicht.

Nein.

Kein Reinfall.

Also kurz tief Durchatmen.

Aufsteigen.

In die Pedale treten und losfahren.

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Pyga OneTen29

Das OneTen29 macht unheimlich viel Spaß. Das Fahrverhalten ist allererste Sahne – Steile Rampen stellen das Rad vor kein grosses Problem und Wiegetritt-Passagen auch nicht. Das Setup des Fahrwerks habe ich überraschend schnell auf mich anpassen können und konnte daher auch mit entspanntem Blick bergab Gas geben, denn das Fahrwerk schluckt weg, was unter die Reifen kommt.

Pyga OneTen29

Teileliste:

Rahmen: Pyga OneTen 29 in L

Gabel: Rock Shox SID RCT3 Solo Air 120mm

Dämpfer: Rock Shox Monarch RT3 110mm

Vorbau: Syntace F149 75mm

Steuersatz: Acros

Lenker: Syntace Vector Carbon 740mm

Griffe: ODI Lock-On

Sattelstütze: Syntace P6 Alu

Sattel: Selle Italia SLR

Innenlager: SRAM X9 BB92 Pressfit

Umwerfer: SRAM X9

Kurbel: SRAM X9 29-36

Schalthebel: SRAM X9

Kassette: SRAM X9 10fach

Schaltwerk: SRAM X9 Type2

Kette: SRAM PG-1071

Bremsanlage: Hope Stealth Evo Race M4 180/160mm

Vorderradnabe: Acros .74 15mm Steckachse

Hinterradnabe: Acros .74 142mm | X12 Steckachse

Speichen: Sapim CX Ray

Felgen: NoTubes Arch EX

Reifen: Onza Canis 29×2,25″

Flaschenhalter: King Cage Titan

Pedale: Crank Brothers Candy 2

Gewicht: ca. 12,9kg

 

(8) Kommentare

  1. Ich bin über google auf deine Seite gekommen und finde sie sehr informativ.
    Das One10 ist das aktuelle Objekt meiner Begierde. Zum ersten Mal habe ich es in einem Kurzbericht der Bike gesehen. Leider kann ich aber nirgendwo einen Preis für ein Komplettrad lesen; weder in der Bike noch bei dir. Ich weiß, dass ausschließlich Rahmenkits verkauft werden. Aber ein Gesamtpreis muss doch rauszukriegen sein…

  2. Hi Daniel,

    wenn noch nicht geschehen – vielleicht haste ja auch mal Lust in den mtb-news.de Pyga (und Cotic) Thread reinzuschauen. Da findest du einige Aufbauprojekte. Außerdem auch nen Thread zur Pike. Ich fahr sie in meinem sogar mit 140mm und habe keine Probleme an steilsten Rampen. Notfalls kannste auch was mehr SAG fahren. Und vielleicht sieht man sich ja im Deister.

    Gruß

  3. Hi Arne.
    Danke für deine Antworten und das du dir die zeit genommen hast die Lemkerhöhe nachzumessen.
    Ich sehe das auch so wie du, vor allem mal das Rad fahren (wenns denn fertig wird)… Allerdings macht mir das bauen auch Spaß (bin ein Lego Kind)
    Deister könnte knapp klappen, mal sehen. Beste Grüße aus Berlin.

  4. Hi Arne,

    Ich beginne jetzt mit meinem Aufbauprojekt.
    Die meisten Teile sind entschieden, doch ich plage mich etwas mit der Entscheidung welche Gabel und welche Reifen.

    Wie sind deine Erfahrungen? Du hast die SID drin, oder? Mit 120mm?
    Ich hatte bisher immer die Revelation mit 130mm ins Auge gefasst aber habe jetzt gesehen das man die PIKE auch auf 130 umbauen kann ohne das die Performance beeinträchtigt wird (.. keine spacer). Die Gabeln sind gleich schwer aber nicht gleich teuer, die Pike ist aber steifer … hmm, daher mein Wankelmut. Des geringere Gewicht der SID lässt mich auch hin und wieder grübeln.
    Wie hoch kommt denn dein Rad vorne mit 120er Gabel?

    Ich muss dazu sagen ich bin nicht der leichteste Fahrer, zwar stimmen meine Längenmasse mit Carsten überein, so dass ich mich schnell für den Rahmen in M entscheiden konnte … aber das Breitenmaß … naja.

    Reifen ist noch so ein anderes Thema .. ich tendiere zu leichten von Conti, vorne XKing und hinten RaceKing. Du bist wahrscheinlich von deinen Onzas überzeugt sonst wären sie nicht dran… wie ist den der Kurvenhalt auf Waldboden?

    Genug gelöchert .. danke wenn du dir die Zeit nimmst darauf zu antworten.

    beste grüße, Daniel

    • Ich habe die Conti XKing für ein paar Testfahrten genutzt. Aber neben dem sehr flachen Profil hat mich die geringe Breite in 2.2″ gestört. Sie reduzieren das Rad zu einer CC-Rakete. Ich muss zugeben, dass mir die Onzas zu Beginn v.a. ins Farbkonzept des Rades passten. In der Zwischenzeit fahre ich sie seit fast einem Jahr im Harz und finde sie klasse. Sie rollen relativ leicht, bieten aber neben ausgezeichnetem Seitenhalt auch guten Grip auf nassem und rutschigem Untergrund. Auch bei diversen MTB-Marathons bin ich mit den Reifen gestartet und habe es nicht bereut sondern mit in der Zwischenzeit für einen anderen Twentyniner noch ein Paar zugelegt.

      Zum Thema „Gabel“ melde ich mich mit den von dir gewünschten Daten nachher nochmal.

    • Spät aber immerhin. Ich habe 84cm vom Boden bis zur Unterkante des Rahmens gemessen. Komplett bepackt bin ich ein paar Kilos leichter als du. Aber großartige Probleme mit zu weichen Gabeln kenne ich nicht und für mich reicht die SID mit ihren 120mm völlig aus. Sicherlich wären 130mm auch möglich gewesen, aber ich wollte die Front so tief wie möglich haben um steile Rampen gut bewältigen zu können. Und auf der anderen Seite reicht mir der Federweg bergab auch aus. Ein (26″)Enduro hatte ich vorher – und damit bin ich gefühlt nicht schneller runter gefahren.

      Letztlich handelt es sich um ein Fahrrad. Und ich habe keine Lust, ewig am Setup der Federelemente herum zu schrauben oder daraus eine Wissenschaft zu machen.

      Ich wünsche dir viel Spaß mit deinem OneTen! Vielleicht sehen wir uns ja im Deister…

  5. Hi, die Bilder sind herrlich und der ErFAHRungsbericht beinhaltet viele interessante Informationen und Gedanken deinerseits….
    Irgendwie hatte ich ein DejaVu beim Teil mit dem “ Rahmen steht neben dem Sofa und wird auf Lufteinschlüsse untersucht“…ich sach nur IBC-Forum ;-)

    Mir gefällt das Pyga Oneten rein optisch ausgesprochen gut, die hydrogeformten Rohre bilden ein schönes Gesamtbild…die Detailfeatures wie innengeführter Schaltzug..Anschraubösenposition.. die schwarz-matte Sitzstreben mit Glanzlogo…sehr edel.
    Die Fahreigenschaften werde ich bald selbst erfahren. Mein erstes Fully…bin schon gespannt. Der Aufbau steht ja in den letzten Zügen….

    Gruß aus dem Pott

  6. Hi, wie immer….super Bilder. Vor allen Dingen das Detailbild der Schweißnaht am Steuerrohr…:-) Mir gefällt das Bike immer noch, echt stimmig aufgebaut.

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